Herbarien

 

ich erschaffe dich

unwissend treibend

bis in den morgen meiner nächte

die dunkelheit des lichts

 

 

Eine getrocknete Pflanzenbibliothek –

Aus meiner Sicht künstlerisch interpretiert

Fast unsichtbar schlängeln sich viele Adern durch den Blattkörper des Blattes. Getrocknet, etwas zerfetzt, hängt die Blatthaut am Gerippe. So als erzähle uns das Blatt eine Geschichte. Wie es den langen, vergangenen Winter überstanden hat. Jede Krümmung, jede Ader steht für einen Tag – eine Erfahrung. Gemacht in der kalten Zeit. Leichte Blessuren, die das Blatt zu dem machen was es nun ist. Erfahren, gezeichnet, stolz, zerbrechlich. Und wenn man mit Bedacht hinsieht, kann man vielleicht noch das leise Fallen der Schneeflocken im Winter hören.

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Herbarien

Schon lange beschäftigt sich der Mensch mit dem dokumentarischen Ordnen von natürlichen Pflanzen. Blätter, Blüten, ja sogar ganze Pflanzen werden Haltbar gemacht, indem ihnen, durch den Prozess des Pressens, das Wasser entzogen wird. Diese Technik erlaubt es Forschern Pflanzen aus fremden Teilen der Welt mit nach Hause zu nehmen und dort weiter zu untersuchen und zu bestimmen. Eine Sammlung seltener Pflanzenteile entsteht. Ein Herbarium.

Künstler und die Natur 

Auch viele Künstler haben sich von der Natur inspirieren lassen. Jospeh Boys, Karl Blossfeldt, Phillipp Otto Runge und Alois Auer von Welsbach, um hier nur einige zu nennen. Sie alle haben unterschiedliche Arbeiten mit unterschiedlichen Material geschaffen. Scherenschnitte, Zeichnungen, Skizzen, Malereien, um ihre Sicht auf die Natur mit dem Betrachter zu teilen. Die Faszination, die vergängliche Natur unvergänglich zu machen hat auch mich gepackt. Warum die Pflanze an sich nehmen, wenn naturfremde Materialien vielleicht den gleichen oder einen besseren Ausdruck haben? Metalldraht und Papier. Beide Elemente erlauben es mir, das Blatt so individuell zu formen, dass es meine Botschaft übermittelt. Zerbrechlich, gezeichnet, unschuldig. Befremdend mag es vielleicht scheinen, dass dem Objekt die Farbe entzogen wurde. Doch genau diese Tatsache erlaubt es mir, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf etwas Wichtiges zu lenken: Die Textur (Oberflächenstruktur). Diese wird meist von der Farbe in den Hintergrund gedrängt. Für mich ist die Textur ein wichtiges Gestaltungselement. Sie erlaubt es mir die wichtigen Merkmale in der Natur für den Betrachter sichtbar zu machen – ins Bewusstsein zu holen.

Ordnend. Ja fast gesammelt wirkt die kleine Ansammlung der weißen Papierschönheiten unter den Glaskuppeln, in den Rahmen oder an der Wand.

 

Zellstrukturen

Ich habe mich mit formloseren Arbeiten an den Konstruktionsprinzip der Natur gewandt. Diese Objekte erinnern an Korallen, Nervenzellen oder auch Hautzellen. Sie alle haben wie die Herbarien auch eine Unterkonstruktion aus Metall und sind dann mit weicherem Material wie Papier oder Farbe überzogen.

 

Interpretationsansätze

  • Ader- und Hauttexturen erzählen eine Geschichte
  • Die Natur gefiltert, interpretiert, durch Farbentzug wiedergeben
  • Die Unschuld der Natur betonen, den Blick auf das Wesentliche lenken
  • Die Vergangenheit hinterlässt Spuren
  • Knöcherne Texturen erinnern in der Gesamtform an einen Schädel

 


Ammoniten

 

Schattentanz der Nacht. Im Traum erblüht die Seele zur Vollkommenheit. 

Helga Schäferling

IMG_6538Ammoniten – Spiegelung und Vollkommenheit

Während meines Prozesses, die Eigenschaften von Papier und Metalldraht auszureizen, näherte ich mich einer runden, räumlichen Form an. Ich wollte eine florales, blütenähnliches oder sogar fruchtähnliches Objekt interpretiert darstellen. Das Ergebnis war eine fast runde, aufgebrochene Grundform, die durch die Textur des Papierüberzugs fossil wirkte. Wie mich versteinerte Tiere zu Kunstobjekten inspirierten und ein Spiegel eine Form vollendete.

Eine neue Form

Die runde, aufgebrochene Form erinnerte mich stark an Ammoniten. Ammoniten sind versteinerte Tiere aus der Urzeit. Als sie verstarben wurden sie in flüssiger Lava eingeschlossen oder unter vielen Gesteinsschichten begraben. Diese werden heute nach sehr langer Zeit von Archäologen wieder aus dem Stein befreit und sind selbst versteinert. Sie zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie durch ihre steinige Oberfläche sehr zebrechlich sind.

Diese Wirkung deckte sich mit meinen Papier-Draht Objekten. Das weiße Papier verfing sich beim Entstehungsprozess im Drahtgeflecht. Beim Trocknen schrumpfte es und eine unregelmäßige, aufgebrochene, ja fast brüchige Oberfläche entstand. Die weiße Farbe des Papieres erinnerte mich an Kalkgestein.

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Spiegelung komplettiert 

Aufgereiht und nebeneinander liegend, wirkten die Ammoniten wie in einem Achäologischem Museum. Auch in Zweiergruppen überzeugten sie. Nicht ganz zusammen passend und dochj irgendwie eins, erzählten die zerbrechlichen Objekte eine holprige Geschichte. Der blaue Hintergrund könnte auch wieder an das Meer erinnern, indem die Ammoniten einst schwammen. Die Idee die Objekte durch die Spiegelung ihrer selbst zu komplettieren, erschien mir die logischste Präsentation zu sein. Die Spiegelung der einen Seite mit der Originalseite, ja das man sich selbst komplettiert, das war in meinen Augen die Kernaussage der Arbeit mit meinen Ammoniten.

In Folge dessen fotografierte ich sie alle der Reihe nach im Spiegel und war erstaunt, wie unterschiedlich geformt diese auch im Spiegel wirkten. Das Ausdrucken der Fotos in größere Dimensionen, aufgereiht, untersuchend nebeneinander an einer Wand, das wäre die finale Präsentationsmöglichkeit.

Interpretationsansätze 

– Morbide, brüchige Oberflächen erzählen eine Geschichte

– Komplettierung von sich selbst

– Knöchernes Skelett als Überrest erinnert an Vergänglichkeit