Das Herbarium

Eine getrocknete Pflanzenbibliothek – Aus meiner künstlerischen Sicht interpretiert

IMG_9459Ganz dünn schlängeln sich die Adern durch den Blattkörper. Getrocknet, etwas zerfetzt hängt die Blatthaut am Gerippe. Als erzähle uns das Blatt eine Geschichte. Eine Geschichte wie es den langen, vergangenen Winter überstanden hat. Mit leichten Blessuren. Aber noch heile. Geborgen, ja sicher, ist es jetzt im weißen Rahmen aufgehoben, um vom Betrachter gewürdigt zu werden. Und wenn man mit Bedacht hinsieht, kann man vielleicht noch das leise Fallen der Schneeflocken im Winter hören.

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Schon sehr lange beschäftigt sich der Mensch mit dem Pressen, Dokumentieren und Bestimmen von Pflanzen. Viele Botaniker und Forscher bereisten die grünen Plätze der Welt, um Pflanzenproben zu nehmen. Zurück in der Heimat fanden diese getrockneten Schätze Einzug in die dokumentarische Sammlung zu Hause.

Auch viele Künstler haben sich von der Natur inspirieren lassen. Joseph Boys, Karl Blossfeldt, Phillipp Otto Runge und Alois Auer von Welsbach, um nur einige zu nennen. Sie alle haben unterschiedliche Arbeiten mit unterschiedlichem Material geschaffen. Scherenschnitte, Zeichnungen, Skizzen, Malereien, um ihre Sicht auf die Natur mit dem Betrachter zu teilen. Die Faszination, die vergängliche Natur unvergänglich zu machen, hat auch mich gepackt. Warum die Pflanze als Vorbild nehmen, wenn naturfremde Materialien vielleicht den gleichen Ausdruck haben, wie das Original?

Draht und Papier. Beide Materialien erlauben es mir, den zerbrechlichen Ausdruck eines getrockneten Blattes aus meiner Sicht wiederzugeben. Befremdend mag es vielleicht erscheinen, dass dem Objekt die Farbe entzogen wurde. Doch genau diese Tatsache erlaubt es mir, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf etwas anderes zu lenken:

Die Textur (Oberflächenstruktur). IMG_9530

Es sind die kleinen Dinge, die meistens übersehen werden. Kunst ist ein wunderbares Medium. Sie erlaubt es mir, die für mich wichtigen Merkmale der Natur für den Betrachter sichtbar zu machen. Ordnend, ja fast gesammelt wirkt die kleine Ansammlung der weißen Papierschönheiten unter den Glaskuppeln und in den Rahmen. Ein Herbarium. Spannend ist auch die Verbindung zu knöchernen Strukturen. Mir gefällt der Interpretationskontrast. Beim ersten Hinsehen könnte man meinen könnte, es hänge ein Tierschädel im Glas.

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Herbarien I – VII zu sehen ab Juli 2017 bei

„Manoir Antiquitäten“        Lehmweg 29          20251 Hamburg

Mein Dank gilt Martin Münch


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