Wabi Sabi – Erstarrte Zeit

DIE ERSTE EIGENE AUSSTELLUNG MIT LEONIE DIEHLIMG_7853

Im März 2019 stellten Leonie Diehl und ich in den Räumen des Zollamtes Rothenburgsort aus. Folgender Text beschreibt die Thematik der Ausstellung. Ein Rückblick.

EINE ÄSTHETIKPHILOSOPHIE

Wie der aufmerksame Blick auf die Natur eine Ausstellung füllen kann und welchen Einfluss dabei Wabi Sabi in unsere Gestaltungsweise hat. Bei der Planung dieser Ausstellung stellten wir uns zwei Themen: Wabi Sabi und Architektur.

Bild links Moosquadrat, gelegt, Schilfgras mit Zahnstochern verbunden

IMG_7830WABI SABI

Wabi Sabi ist eine Ästhetikphilosophie aus Japan, die zwei Dinge vereint: Die Genügsamkeit der Schlichtheit und die Ästhetik des Alterns. Sonne, Wind, Regen, Hitze, Kälte und sogar der Mensch setzt dem Material zu und erzeugt Spuren. Dies kann eine bemooste Fläche sein, Schrammen, Kratzer, Narben, Veränderungen in der Qualität der Farbe und in der Textur, wie zum Beispiel Rost oder Schimmel.

Das Zeitalter fordert Perfektionismus und multimediales Handeln. Im Kontrast dazu steht das Wabi Sabi. Der Blick auf das Selbstverständliche, Bescheidene, soll den Betrachter erden und an die eigene Vergänglichkeit erinnern. Obwohl diese zarten Naturformen schwach, brüchig oder trocken geworden sind, besitzen sie noch hohe Charakterstärke und Aussagekraft.

Bild oben und unten Tulpenbaumblätter, getrocknet, nach Größe geordnet

IMG_7819ARCHITEKTUR

Der Einfluss der Architektur ist der Ausstellungsraum. Formen im Raum werden aufgegriffen, Installationen an den Raum eingepasst. Ebenso finden architektonische Formen in reduzierter Ausprägung ihren Einsatz. Linien, Linienüberschneidungen, Quadrate und Flächen sind die geometrischen Grundformen, die den entscheidenden Kontrast zu den organischen, natürlichen Materialien im Raum bilden.

IMG_7858ERSTARRTE ZEIT

In der Ausstellung zeigen wir getrocknetes Material, ästhetisch platziert, ehrlich verarbeitet. Die Achtung des Unperfekten und Unvollkommenen ist Mittelpunkt. Der Betrachter erhält die Möglichkeit aus forschender Sicht Texturen, Formen, trübe Farben und kleine Fehler der Natur zu entdecken und zu ehren. Das Gliedern und Ordnen der Natur aus Sicht des Botanical Art gleicht einer großen Pflanzenbibliothek (Herbarium) im dreidimensionalem Raum und steht symbolisch für das Eingreifen des Menschen. Die Natur bleibt unverändert, unbehandelt und wird nach dem Press- oder Trockenvorgang präsentiert. Dabei entstehen Risse, Bewegungen oder Farbveränderungen, die unserem Auge erst dann sichtbar werden, wenn sie in einem ruhigen Umfeld betrachtet werden.

Alle Materialien sind aus Hamburg und sind Zeugen der Hamburger Vergangenheit.

IMG_7917Bild  oben Wolke aus Draht und getrockneten Hostablättern, rechts im Bild geschöpftes Papier mit schwarzem Farbauftrag


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